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30 | 11 | 2022

Kirchenführung von Msgr. Rochus Witton

 

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Die heutige St.-Nikolaus-Kirche steht nach historischen Quellen an der Stelle, an der schon 1201 eine Nikolauskapelle bezeugt wird. Damals gehörte die Gemarkung Sülz zur Benediktinerabtei St. Pantaleon. Die Seelsorge wurde jedoch seit etwa 1144 von der Pfarrei St. Mauritius wahrgenommen. Neben dieser Pfarrkirche gab es also noch die St.-Nikolaus-Kapelle. Wann und aus welchem Anlass sie erbaut wurde, ist nicht mehr bekannt. Wahrscheinlich ging der Anstoß zum Bau von den Benediktinermönchen . aus, denn St. Nikolaus war der Lieblingsheilige dieses Ordens. Die Abtei St. Pantaleon ist eine Stiftung der byzantinischen Prinzessin Theophanu, mit der sich der deutsche Kaiser Otto II. (973-983) im Jahr 972 in Rom vermählte. Theophanu war eine fleißige Verbreiterin der Nikolausverehrung im Abendland, jenes heiligen Bischofs von Myra in Kleinasien, der zu den bedeutendsten und meist geliebten Heiligen der östlichen Kirche zählte. Noch weitere Verbreitung erlangte die Verehrung des Heiligen, nachdem seine Reliquien auf abenteuerliche Weise von Myra nach Bari, der wichtigsten Hafenstadt Süditaliens, 1087 gebracht worden waren. So lässt sich leicht erklären, dass gerade in einer Klosterstiftung der Kaiserin Theophanu der hl. Nikolaus sehr verehrt wurde. Die Nikolauskapelle an der heutigen Berrenrather Straße war jährlich am Pfingstdienstag das Ziel einer großen Prozession, die von St. Pantaleon durch die Umgebung der Abtei über die Weiherstraße durch das Weihertor nach Sülz zog. Auch eine Nikolausbruderschaft war mit der Kapelle verbunden. Von der Kapelle selbst berichtet der Chronist von St. Pantaleon, Schallenberg, dass sie gewölbt gewesen sei und vier Altäre gehabt habe. Nach ihrer Zerstörung im Burgundischen Krieg 1474 ist sie nicht mehr aufgebaut worden. Mauerreste waren noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vorhanden.

An dieser Stelle wurde am 3. November 1906 der Bau der heutigen St.-Nikolaus-Kirche begonnen. Am 22. September 1907 legte Erzbischof Kardinal Antonius Fischer den Grundstein. Der Kirchbau war notwendig geworden, weil die bisherige Pfarrkirche an der Ecke Marsiliusstraße/Münstereifeler Straße zu klein geworden war. Die Pfarre war von etwa 3.000 Gemeindemitgliedern im Jahr 1890 auf ungefähr 16.000 im Jahr 1907 angewachsen.

Diese rasche Entwicklung hielt auch in der folgenden Zeit an, so dass 1922 die Gemeinde etwa 30.000 Katholiken zählte. Um die Seelsorgsarbeit überschaubarer zu machen, wurden Gebiete von St. Nikolaus abgetrennt und neue Pfarreien errichtet: 1923 St. Bruno und 1930 St. Karl Borromäus.

Franz Statz, der bis 1901 Diözesanbaumeister in Köln und danach Dombaumeister in Linz/Donau war,  baute eine klar gegliederte dreischiffige neuromanische Kirche. Das breite Mittelschiff führt zur Apsis mit dem Hochaltar, die Seitenschiffe enden in kleinen Konchen mit Seitenaltären (Marien- bzw. Nikolausaltar). Das ausladende Querschiff wird als Tauf- bzw. Werktagskapelle genutzt. Das Querschiff im Portalbereich mündet an beiden Seiten in kleine Apsiden. Es ist eine stimmungsvolle Vorhalle, die den Besucher und Beter in den sich entfaltenden Kirchenraum einführen möchte.

Vor dem Mittelschiff erhebt sich der 53 Meter hohe Turm, der durch Fenster, rundbogige Schallluken, Blendnischen und Gesimse reich gegliedert ist. Er wird von rechteckigen Treppentürmchen flankiert. Die Zifferblätter der Turmuhr sind schön gestaltete Mosaikarbeiten. Ein Weg um die Kirche lohnt sich. Verschiedene Durchblicke zeigen die Sorgfalt des Baumeisters und seine Liebe zum Detail. Der Blick auf die Chorpartie vom begrünten Platz hinter der Kirche hat seinen besonderen Reiz. Das Kernmauerwerk aus Backstein ist mit hellem Tuff verblendet- ein deutliches Anknüpfen an die Romanik. Den Bauplatz hatte die Familie Josef Dahmen, Besitzer des Weishausschlösschens, der Gemeinde zum Geschenk gemacht. Die Gemeinde selbst hatte jahrelang in sonntäglichen Sammlungen und mit der Unterstützung großherziger Gönner die finanziellen Mittel für den Kirchbau zusammengetragen. So konnte die Christmette 1908 schon in der neuen Kirche gefeiert werden, nachdem sie von Franz Joseph Hubert Becker (1886-1915) benediziert worden war. Die feierliche Konsekration erfolgte durch Erzbischof Kardinal Antonius Fischer am 6. Mai 1909.

Der Innenraum der Kirche hat mehrmals sein Gesicht gewandelt. Ein gründlicher Wiederaufbau war durch die Zerstörungen im zweiten Weltkrieg in den Jahren 1943-1945 nötig geworden. Er erfolgte von 1945 bis 1948 unter der Leitung des Architekten Gerhard Derda. Im Jahre 1958 wurde der Altarraum neugestaltet Der bisherige neuromanische Hochaltar wurde durch eine freistehende Altarmensa, die dem Zeitgeschmack entsprach, ersetzt. Im Zusammenhang mit dieser Umgestaltung wurden auch die Kommunionbank und die Kanzel, die im Stil dem alten Hochaltar entsprachen, entfernt. Neue Altarschranken wurden dafür aufgestellt. Diese Arbeiten leiteten die Architekten Borgard und Volmer, Köln. Pfarrer Hubert Hahn (1935-1952), mit ihm gemeinsam Kaplan Johannes Pohl (1939-1953), und Pfarrer Fritz Schaefer (1953-1970) haben hier Großes geleistet. Nochmals wurde die Nikolauskirche in den Jahren 1977-1978 von Grund auf restauriert. Architekt Karl-Josef Ernst hatte die Bauleitung. Die Jahreszahlen der Zerstörung und der Renovierung der Kirche sind in einem Stein an der rechten Seite des Hochchores eingemeißelt: "Deleta 1943-1945, Renovata 1948- 1951, 1977-1978". Diesem Stein gegenüber befindet sieb der Grundstein, der die Jahreszahl 1907 aufweist und mit dem Bruchstück einer Grabplatte aus der Domitilla-Katakombe in Rom geschmückt ist. Hier wird die Zugehörigkeit der Ortskirche zur Weltkirche dokumentiert.

Von der früheren Ausmalung der Kirche ist nichts mehr vorhanden. Sie führte thematisch zum Apsismosaik hin und stellte Szenen aus der Apokalypse des Jobarmes und eine ganze Schar von Heiligen dar. Den Krieg überdauert bat das große Apsismosaik. Es stammt von dem Kölner Maler Johannes Osten. Für die Ausführung waren bauliche Veränderungen am Gewölbe und an den Wänden der Apsis nötig. Kleinere Fenster im Hochchor mussten zugemauert werden, blieben aber nach außen sichtbar. Die Anbringung des Mosaiks war den Vereinigten Werkstätten Puhl und Wagner und Gottfried Heinersdorf in Berlin übertragen worden. Die Firma hatte auch im Dom zu Aachen, in Maria Laach, auf der Wartburg und in der im Krieg größtenteils zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin gearbeitet. Am 5. Dezember 1919 wurde das Werk vor einem Kreis geladener Gäste enthüllt und zwei Tage später bei der Feier des Patroziniums zum erstenmal der Gemeinde gezeigt. Damals wurden in Fachkreisen die Mosaiken von St. Nikolaus als die technisch vollkommensten in ganz Deutschland gerühmt.

Im Mittelpunkt ist Christus, der Pantokrator, der auf einem Wolkenthron sitzt und seine Hände schützend über die Gemeinde hält. Über ihm die Hand des Vaters, unter ihm die Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Von ihr gehen die sieben Flammen der Sakramente auf die Menschen aus und ein heller Lichtstrahl, um das Dunkel in der Welt zu besiegen. Rechts weist Johannes der Täufer auf Christus hin, links kniet bittend Maria. In der Gloriole werden Engelsköpfe sichtbar, während an den Seiten überlebensgroße Engel mit Harfe, Weihrauch und Posaune auf die himmlische Liturgie hinweisen. Um einen Begriff von den Größenverhältnissen zu bekommen, sei erwähnt, dass die Figur des thronenden Christus 4,5o Meter groß ist. Die Verbindung zum Altar hin wird durch zwei Engel zwischen den Fenstern hergestellt, die den oberen Teil des Kunstwerkes gleichsam tragen. Um den Altar sind gewaltige Engel gruppiert, die wie aus Toren in unsere Welt, die mit den brauen und grünen Farbtönen angedeutet ist, hervortreten, angeführt vom Erzengel Michael auf der einen und Gabriel auf der anderen Seite. Die Apsis findet ihren Abschluss durch einen schönen Triumphbogen von schwebenden Engeln und Cherubim, die Hände und Füße mit ihren Flügeln verhüllen und dem Beschauer durch den großgeschriebenen Satz "Sanctus, Sanctus, Sanctus, Dominus Deus Sabaoth" den Inhalt ihres Lobgesangs künden (vergl. Jes 6,2f). Es ist ein eindrucksvolles Kunstwerk des Jugendstils.

Nach der jüngsten Restaurierung (1977-1978) ist die klare neuromanische Architektur des Kirchenraumes noch deutlicher geworden. Alle Wandflächen mussten völlig neu verputzt werden, da nach dem letzten Weltkrieg die entstandenen Schäden nur ausgebessert worden waren und dadurch für den Neuanstrich mit Mineralfarben der geeignete Untergrund nicht gegeben war. Die Fenstergewände und die Gurtbögen erhielten eine Quaderung im Farbton der Natursteinpfeiler. Die verhältnismäßig schmalen Gewölberippen wurden mit Begleitern versehen, die im Stil der Neuromanik entworfen wurden. Um den Raum heller zu gestalten, wurden die bisher sehr dunklen Obergadenfenster des Mittel- und Querschiffes neu verglast. Den Entwurf dieser Fenster gestaltete Glasmaler Paul Weigmann, Leverkusen. Eine ansprechende Früchtegirlande ist der einzige Schmuck der sonst klaren Verglasung. Sie greift den Fensterbogen auf und verbindet Fenster mit Fenster. Die Idee des Künstlers war, in diesen verhältnismäßig klar gegliederten Raum Heiterkeit und Fröhlichkeit hineinzubringen. Leitgedanke war ihm dazu der Lobgesang der drei jungen Männer: „Preist den Herrn, all ihr Gewächse auf Erden; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit“ (Dan 3,76) und er erweitert: „Preist den Herrn, alt ihr Früchte auf Erden“. Die anderen Fenster des Chores und der Querschiffe stammen von Heinrich Windelschmidt, Köln, gestaltet 1960. Recht schön integrieren sich die Apsisfenster mit den vier Evangelistensymbolen in die Farbgebung des Mosaiks. Die Rosette im rechten Querschiff wirkt sehr lebendig; vielleicht dachte der Künstler bei der Gestaltung an die Flammen des Heiligen Geistes. In den drei darunter liegenden Fenstern finden sich stilisierte Blütenmotive. Die drei Fenster unter der Rosette im linken Querschiff sind miteinander durch eine Kreuzesform verbunden. Die Fenster der Seitenschiffe zeigen Heiligendarstellungen und sind zum Teil Stiftungen. Wir finden auf der rechten Seite den hl. Erzengel Michael, die hl. Barbara,  den hl. Albert d. Gr.; auf der linken Seite von hinten den hl. Petrus Canisius, gestiftet von der Schule Manderscheider Platz, die hl. Elisabeth, gestiftet von den Frauen, den hl. Hubertus, gestiftet von der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft. Die Entwürfe stammen von T. May, die Firma Reuter sorgte für die Ausführung. Als Jahreszahl ist 1951 angegeben. Teile der Kirche sind heute noch mit einem Marmorsockel versehen. Dieser Sockel zog sich ursprünglich um die ganze Kirche bis an das Apsismosaik Der Marmor ist dadurch besonders interessant, weil es die letzten Blöcke waren, die vor dem Ersten Weltkrieg aus den deutschen Kolonien des südlichen Afrika nach Köln gebracht worden waren.

Verweilen wir einen Moment im Hochchor. Der Altar wurde 1978 aus dem bisherigen Altarblock neu gestaltet. Der damals in der Pfarrei lebende Bildhauer Olaf Höhnen (heute Frechen) schuf einen Altar in klassischer Form, der gut zum Baustil der Kirche passt. Kräftige Reliefplatten, die Ähren und Trauben darstellen, schmücken ihn und weisen auf die eucharistische Feier hin. Auch der Ambo wurde von Höhnen geschaffen. In weißem Marmor gehauen, sehen wir Christus von seinen Aposteln umgeben. Er lehrt und sendet sie zum Predigen aus. Tabernakel, Kreuz und Leuchter schuf 1955 der Goldschmied Karl Schuberth aus Kronenburg/Eifel. Die neuromanische Ewig-Licht-Ampel konnte von einer anderen Pfarrgemeinde übernommen werden und wurde entsprechend aufgearbeitet. Eine besondere Kostbarkeit ist die in eine Wandnische links eingearbeitete Rückwand des Priestersitzes. Hier ist von dem Kölner Holzschnitzer A. Schmidt 1909 St. Nikolaus dargestellt worden, der segnend auf seine Kirche herabschaut. Rechts und links davon noch zwei weitere köstliche Reliefs des Künstlers: der heilige Mann eilt am Nikolausabend zur Bescherung und teilt im Kreis der Kinder, die sich um die Mutter drängen, seine Gaben aus. Der Priestersitz ist mit schönen Schnitz-Ornamenten geschmückt und trägt an der Rückenlehne die Jahreszahl 1900.

Dort, wo das Chor sich zum Kirchenschiff öffnet, hat auf der rechten Seite die Madonnenfigur ihren Platz gefunden. Maria soll die Gemeinde zu Christus führen, dessen Tod und Auferstehung ununterbrochen am Altar verkündet wird. Diese Madonna ist eine Nachschnitzung der Volkacher Madonna von Tilman Riemenschneider; sie ist 1972 der Pfarrgemeinde gestiftet worden.

Die Altarnischen unterhalb des Hochchores wurden vom Altmeister des modernen Kirchenfreskos, Peter Hecker, Köln, 1960 ausgestaltet. Rechts ist St. Nikolaus dargestellt als Kinderfreund. Der schwarzbärtige Heilige trägt Mitra und Bischofsstab, aber seine Kasel hat er wie eine Schürze zusammengerafft, um darin das Spielzeug für die Kinder zu bergen. Er ist umringt von Mädchen und Jungen, die bittend und erwartungsvoll zu ihm aufschauen. Im weiteren Kreis um die Gestalt hat Hecker Hinweise auf das Leben des Heiligen gegeben: man sieht die Bischofsstadt Myra, ein Schiff auf hohen Wellen, Anker und Stern, alles Hinweise auf sein Schifferpatronat, und links unten drei Mädchen und drei goldene Kugeln, die daran erinnern, dass er diese Mädchen aus schrecklicher Not errettete und ihnen eine standesgemäße Mitgift schenkte.

Die linke Konche hat Hecker als Marienaltar gestaltet. Maria trägt das Kind in ihrem Schoß. Sie ist verhältnismäßig herb dargestellt. Der Künstler hat auch Hinweise auf die örtliche Umgebung hineingegeben: die Pfarrkirche ist zu sehen, Häuser werden wieder aufgebaut. Darüber wachen Engel. Die Tauben deuten auf die Friedenssehnsucht der Menschen nach den furchtbaren Kriegserfahrungen hin. Im Hirten mit dem Lamm könnte man David erkennen, der von der Herde weg zum König berufen und ein hervorragendes Vorbild für Jesus, den Messias, wurde. Ihnen ist die Geburtsstadt Bethlehem gemeinsam. Das Fresko wird abgerundet durch ein altes ikonographisches Motiv der christlichen Kirche: die Jagd der Tugenden in Gestalt von Hunden nach dem Einhorn, das Christus bedeutet.

Das rechte Querschiff dient als Werktagskapelle für den täglichen Frühgottesdienst und ist nur mit einem Kruzifix aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert geschmückt. Das Kreuz zu diesem Christus ist verloren gegangen. So breitet er ohne Kreuzesbalken seine Arme aus, zugleich als der Gekreuzigte und der auferstandene Herr. Die kräftige Seitenwunde lässt diesen Kruzifixus aber auch zur Herz-Jesu-Darstellung werden. Der Altar, ein neugotischer Holzaltar, der der Kirchengemeinde 1986 vom Erzbistum Köln übereignet wurde, ist am Stipes mit den Darstellungen Johannes des Täufers und des hl. Joachim, des Vaters Mariens, geschmückt. Beide Männer stehen in enger Verbindung zu Jesus und führen zu ihm in der Eucharistie bin. Joachim trägt die Tauben als alttestamentliche Opfergabe in seiner Hand, Johannes weist auf das Lamm Gottes bin, das die eigentliche Opfergabe für das Leben der Welt ist. Der Ambo wurde in den Formen des Altars nachgeschnitzt. Als Priestersitz dient ein Falsistorium, das die Jahreszahl 1905 trägt und noch aus der alten Kirche stammt (wie auch der Priestersitz am Hochaltar), die sich auf dem Grundstück zwischen Marsiliusstraße, Münstereifeler- und Sülzburgstraße befand. Der Bronzeleuchter von Jutta Osten (1987) trägt als einzige Zierde einen Phönix, der sich aus seiner Asche erhebt. Er ist ein urchristliches Symbol für Tod und Auferstehung Christi. Bei Begräbnismessen trägt der Leuchter die Osterkerze.

Das linke Querschiff ist als Taufkapelle ausgestattet worden. Seit der letzten Renovierung steht hier der alte Taufstein aus dem Jahre 1892. Er ist eine Stiftung von C. Simon vom Neuenhof und befand sich schon in der alten Nikolauskirche. Das Bild der heiligen Familie von H. Windelschmidt hat hier einen sinnvollen Platz. Der Osterleuchter neben dem Taufbecken ist ein Werk von Karl Schuberth.

In den Querschiffen befindet sich der Kreuzweg - ein Meisterwerk von Ludwig Feldmann, Düsseldorf. Jedes der 14 Ölbilder ist in einen schlichten Marmorrahmen eingefügt und ein Kunstwerk für sich. Die Bilder sind gründlich restauriert worden und zeigen nun wieder ihre ursprüngliche Schönheit und Ausdruckskraft. In einem Fortsetzungsartikel über „Die Kunst in St. Nikolaus“ schrieb der damalige Pfarrer Karl Schwippert (1915-1935) in der „Katholischen Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln“ im Jahre 1924: “Hätte die Nikolauskirche sonst nichts als diesen Kreuzweg, so bliebe sie schon deshalb sehenswert“.

Im rechten Seitenschiff stehen zwei alte, reich geschnitzte Beichtstühle. An ihren Türen befinden sich Medaillons aus Holz mit den Darstellungen der Apostel Petrus und Paulus. Neben dem Beichtstuhl des Pfarrers ist an der Wand ein kleines Holzrelief des guten Hirten angebracht, der das wiedergefundene Lamm auf seinen Schultern trägt. Um den Hirtenhut ist die Dornenkrone gelegt, als Ausdruck dafür, dass Jesus sein Leben einsetzt für uns Menschen. Gegenüber, im hinteren Teil des linken Seitenschiffs, steht noch ein dritter Beichtstuhl, der bei der letzten Renovierung aus dem Bistum Aachen in unsere Kirche kam und sich gut einfügt. Die Nische daneben ist unserem Pfarrpatron gewidmet. Die neuromanische Figur stellt den segnenden Bischof dar. In der linken Hand hält er das Buch des Evangeliums und ein Fass mit drei Jungen. Diese Beigabe ist ein Hinweis auf die Schülerlegende, nach der er drei ermordete, in einem Bottich eingepökelte Scholaren zum Leben erweckte. Diese Legende ließ ihn besonders zum Schülerfreund werden. Die Reliefs zu beiden Seiten der Nikolausfigur stammen aus dem ersten Hochaltar unserer Kirche. Auf ihnen ist dargestellt, wie St. Nikolaus den drei Mädchen ihre Mitgift schenkt und wie er an die Menschen in Myra während einer Hungersnot Brot und Getreide verteilt. Unter der Orgelempore sehen wir zwei Emailbilder von Karl Schuberth, von denen das rechte die hl. Familie, das andere die hl. Ursula, die Kölner Stadtpatronin, darstellt. An den letzten Pfeilern der Seitenschiffe ebenfalls Emailarbeiten von Schuberth: die hl. Theresia von Lisieux und der hl. Antonius von Padua.

Auf der Empore, die 1978 durch Auskragung des Rückpositivs vergrößert wurde, befindet sich die Orgel. Am Tage des silbernen Priesterjubiläums des Pfarrers Fritz Schaefer, am 9. August 1953, wurde sie geweiht. Die Orgelbaufirma Walter Seifert, Köln, verwandte für das neue Instrument Teile der alten, aus dem Jahr 1917 stammenden, jedoch im zweiten Weltkrieg zerstörten Orgel. Die Disposition schuf der damalige Kölner Domorganist Prof. Josef Zimmermann, die Intonation leitete Prof. Hans Bachern. Mit 35 klingenden Registern hat die Orgel ein beachtliches Klangvolumen. Der Pfeifenprospekt fügt sich in die romanische Rundbogenarchitektur gut ein. Am noch ursprünglichen Spieltisch sind schöne ornamentale Schnitzereien eingefügt.

Durch große Glastüren treten wir aus der Kirche in die Vorhalle. Die Türen sind mit wuchtigen Bronzegriffen geschmückt, die Olaf Höhnen geschaffen hat. Die Motive weisen alle auf den hl. Nikolaus hin:

Rechte Türen: Schiff mit Anker-St. Nikolaus brachte ein gefährdetes Schiff aus stürmischer See in den Hafen. Er ist deshalb der Patron der Schiffer und Seeleute. Äpfel und Brot - Zeichen für die Hilfsbereitschaft und Güte des Heiligen. Er bewahrte Myra vor dem Hungertod, und er beschenkte Jahr für Jahr die Kinder. In unserer Kirche bekommen daher die Kinder bei der Nikolausfeier einen Apfel.

In der Mitte: Mitra und Bischofsstab - Hinweise auf das Amt.

Linke Türen: Drei Jungen im Fass - Hinweis auf die Legende von der Erweckung der getöteten Scholaren. Kugel und Buch: Der Heilige beschenkte die drei Mädchen, und er verkündete durch sein Leben das Evangelium.

In der Eingangshalle ist die südliche Konche zur Totengedenkstätte gestaltet worden. Mittelpunkt dieser kleinen Kapelle ist die Beweinung Christi, die von dem jungen Bildhauer Hans Meier geschaffen wurde. Diese Beweinungsgruppe ist sein einziges Werk. Er starb sehr früh. In ihrer Darstellung erinnert sie stark an den Stil eines Riemenschneider. Ein Kunstwerk, das zum Betrachten und Beten einlädt. Die Namen der mehr als 1.000 Gefallenen und Kriegsopfer beider Weltkriege aus St. Nikolaus sind auf Monatstafeln von Windelschmidt geschrieben worden. Sie liegen im jeweiligen Monat auf einem besonders gestalteten Pult auf. Die Bronzetafeln wurden 1987 von der Kölner Bildhauerin Jutta Osten geschaffen. Sie stehen in sprechendem Bezug zu den Toten, die auf den Schrifttafeln benannt sind.

Die rechte Tafel erinnert an das Inferno des zweiten Weltkrieges in Köln. Geschütze sind auf die Stadt und den Dom gerichtet, Soldaten stürmen vor. Aus den Trümmern ragt das romanische Kreuz von St. Georg und die „Madonna in den Trümmern“. Menschen fliehen, bergen sich in Kellern und beklagen die Toten. Ein Flammenmeer züngelt durch die gesamte Szene. Doch der Trost ist: „Selig sind die Toten, die im Herrn sterben, ihre Werke folgen ihnen nach“ (Offb 14,13).

Auf der linken Tafel wird das Ziel sichtbar: das Lamm Gottes, bei dem „jede Träne getrocknet wird“ (vergl. Offb 21,4). Menschen in allen Lebenssituationen, mit vielfältigen Kreuzen beladen, suchen das Heil, suchen Erlösung. Auf ihrem Weg begegnen sie der Nikolauskirche. Hier sollen sie gestärkt und weitergeführt werden auf dem Weg zum Lamm Gottes, durch das die Liebe des Vaters wie ein überwältigendes Flammenmeer über die Menschen ausgegossen wird. Wegweiserin ist Maria, die große apokalyptische Frau (vergl. Offb 12,1 ff), die ihren Fuß auf den Kopf der Schlange setzt und so das Protoevangelium (vergl. Gen 3,15) erfüllt.

Die Mosaiken und auch die Fenstergestaltung greifen das Thema Tod und Auferstehung auf. Neben der Gedächtniskapelle befindet sich die Figur des hl. Josef. Sie wurde von Bildhauer Matthäus Winter, Limburg, gestaltet und stellt Josef als jungen Mann im Arbeitsgewand dar, an dessen Stab sich der Jesusknabe festhält Dieser Stab beginnt Blätter zu treiben - ein Hinweis darauf, wie sehr Gott unser Leben verlebendigen kann. Jesus hat drei Nelken in der Hand. Diese Blumen heißen in manchen Gegenden auch „Nägeli“. Durch sie soll der Blick des Betrachters und Beters auf die Beweinungsgruppe gelenkt werden, wo bei der Dornenkrone die Nägel vom Kreuze Jesu liegen. So wird der hl. Josef in den Blickkreis der Gedächtniskapelle mit einbezogen - er ist Patron der Sterbenden. Diese Josefsstatue hatte sich Pfarrer Rochus Witton (1970-2002) zu seinem silbernen Priesterjubiläum 1984 von der Pfarrgemeinde gewünscht.

Die Halle des Haupteingangs ist mit zwei großen Ölgemälden ausgeschmückt: rechts ist der hl. Bruder Konrad von Parzham dargestellt, der durch seinen uneigennützigen Pförtnerdienst in Altötting unzähligen Menschen gut war. Für die dargestellten Bittenden holte sich der Künstler die Vorbilder unter den Sülzern. Hinter dem Heiligen sehen wir die Silhouette von Altötting mit der Gnadenkapelle. F. Erlecke aus Köln schuf 1938 dieses Gemälde. Gegenüber - ebenfalls aus dem Jahr 1938 - hat H. Windelschmidt den vielverehrten Apostel und Nothelfer Judas Thaddäus dargestellt.

Im Norden mündet die Vorhalle ebenfalls in eine Konche, in der der Blick von der schön gemalten hundertjährigen Ikone der „Mutter von der immerwährenden Hilfe“ gefangen wird. Dieses Bild, das eines der bekanntesten Mariendarstellungen ist und dessen Original sich in der Kirche der Redemptoristen San Alfonso in Rom befindet, ist unserer Kirche 1979 gestiftet worden.

In unmittelbarer Nähe steht eine Figur des hl. Antonius von Padua, ein Werk aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Der Heilige trägt immer eine frische Blüte in der Hand.