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26 | 01 | 2023

Neues Leben in St. Karl

Kirche für Leib und Seele - Konzept für eine Nutzungserweiterung der Kirche St. Karl Borromäus in Köln-Sülz

Ziel der Nutzungserweiterung

Eine bekannte Tatsache ist, dass die rein physischen, existenziellen Bedürfnisse befriedigt sein müssen, damit sich Menschen überhaupt mental öffnen und mit geistig-spirituellen Inhalten beschäftigen und auseinandersetzen können. Dafür müssen wir den Menschen helfen, aus dem Überlebensmodus in einen Erlebensmodus zu kommen! Im Sinne von Teresa von Avila muss eine Ausrichtung der Kirche also sein: „Tu deinem Leib Gutes, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“. Das bedeutet, dass die Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse wesentliche Voraussetzungen ist, damit seelische Bedürfnisse erfüllend gelebt werden können … und zwar nicht irgendwie, sondern lustvoll!

 

Die Nutzung der Kirche soll nach der Erweiterung den ganzen Menschen ansprechen, genussvoll sein, Lust auf Mehr machen. Das spiegelt sich in allen Facetten des Ortes wider: in den Angeboten, der Raumgestaltung und ganz besonders in der wohlwollenden Zugewandtheit der Menschen, die sich dort engagieren. Der Kirchort soll ein Ort des Wohlgefühls und der Geborgenheit sein. Menschen, die die Kirche betreten, müssen sich direkt wie zuhause fühlen:

 

- Die Raumgestaltung muss entsprechend einladend sein. Sie wird – ganz klassisch katholisch - alle Sinne ansprechen: durch eine schön gestaltete Inneneinrichtung, durch besondere, punktuelle Akzente: natürliche und ruhige Klänge, die die heilsame Ruhe des Kirchraums unterstützen z.B. durch einen Brunnen mit plätscherndem Wasser, Klangkörper, Windspiele etc. Die sinnliche Wahrnehmung kann z.B. durch ein oder zwei Bäume im Kirchenraum betont werden …

 

- Sämtliche inhaltlichen Angebote sprechen alle Aspekte des menschlichen Erlebens an und zwar sowohl intellektuell und sprirituell, als auch alle Sinne ansprechend.

 

- Der Umgang aller Engagierten mit den Menschen, die die Kirche betreten, ist wesentlich geprägt von freiheitlichem Wohlwollen, individueller Wertschätzung und uneingeschränkter Akzeptanz, gänzlich unabhängig vom persönlichen Hintergrund des Gastes.

 

Die ursprünglich als reiner Gottesdienstort geplante Kirche soll diesen Charakter nicht nur beibehalten, sondern ausweiten. Dafür reicht es nicht, einfach die Zahl der Messen zu erhöhen, denn ein breit aufgestelltes und zukunftsfähiges Angebot muss sich an möglichst viele Menschen richten und zwar nicht nur an katholische, auch wenn das der Ursprung und Schwerpunkt der Kirche ist und auch bleiben soll. Eine Öffnung kann sich zum einen auf andere Konfessionen hin zeigen, aber auch in Angeboten, die nicht-religiöse oder anderen Religionen zugehörige Gläubige ansprechen. Nebenbei kann die Kirche dadurch eine Strahlkraft bekommen, die wiederum mit der als Trägerin und Veranstalterin deutlich erkennbar dahinter stehende katholische Kirche anerkennend in Verbindung gebracht wird.


Mögliche Formate sind neben den traditionell-katholischen Formen wie Messen, Kasualien und Andachten z.B.  überkonfessionelle oder überreligiöse Veranstaltungen, die keiner Religion zuzuordnen, aber eindeutig spirituell geprägt sind, wie z.B. Meditationen, Lesungen, Musik, Stationswege (offene Zeiten mit individuellen Angeboten wie in der „Zeit zu Verzeihen“ oder den „Glaubenswerkstätten - Glauben mit allen Sinnen“ in der Woche des Glaubens) etc.
Durch die bestehenden Unterstützungsangebote und ihre existenziell und physisch stärkende Ausrichtung hat der Kirchort bereits eine starke caritative Prägung bei gleichzeitig gefeierten Gottesdiensten. Es liegt im Sinne einer am Menschen orientierten, religiösen Haltung der Nächstenliebe auf der Hand, beide Bereiche miteinander an einem Ort zu verknüpfen: „Leben in St. Karl - hält Leib und Seele zusammen!“

Caritative Nutzungserweiterung – Leib

Die Nutzung der Lebensmittelausgabe, der Kleiderkammer und der Essensausgabe zeigen, dass es einen großen Bedarf an existenzsichernden Hilfen auch in unseren nur scheinbar wohlhabenden Stadtteilen gibt. Darüber hinaus verhängen immer mehr Lebensmittelausgaben im Kölner Stadtgebiet ein Aufnahmesperre für Neukunden, wegen angeblicher „Überlastung“. Bedürftige, die das „Pech“ haben, gerade erst bedürftig geworden zu sein, erhalten bei diesen Ausgabestellen keine Unterstützung. Da aber stadtweit die Regelung gilt, dass die Ausgabestellen jeweils nur die Menschen aus den jeweiligen Stadtteilen vor Ort Unterstützung bekommen, werden diese Menschen auch an allen anderen Ausgabestellen abgelehnt. Das ist ein Missstand, dem die Ausgabestelle in St. Karl mit einer zusätzlichen Ausgabe an Samstagen begegnen möchte, bei der all diejenigen Lebensmittel erhalten, die an anderen Stellen abgelehnt wurden.

Die „Kölner Tafel“ holt lediglich Lebensmittel ab und liefert diese zu den ihr angeschlossenen Ausgabestellen. Sie selbst unterhält keine Ausgabe, sondern kümmert sich ausschließlich um die Logistik. Samstags werden von der Kölner Tafel keine Lebensmittel bei den Supermärkten und Einzelhändlern abgeholt, sondern nur von foodsharing, food for future und anderen Lebensmittelrettern. Diese Organisationen aber würden eine zusätzliche Ausgabestelle für Bedürftige unterstützen. Daher bietet es sich an, samstags eine zusätzliche Lebensmittelausgabe in St. Karl einzurichten, denn ehrenamtlich Engagierte, die gerne bereit sind zu helfen, haben wir gottseidank in unseren Stadtteilen mehr als genug.

Da durch die Lebensmittel- und Essensausgabe und das Internationale Caritas-Zentrum (ICZ) bereits gut genutzte caritative Angebote in St. Karl Borromäus bestehen, war es naheliegend, dort auch eine Kleiderkammer anzubieten. Zunächst wurde diese testweise als Zusatzangebot auf Nachfrage eingerichtet. Mittlerweile jedoch ist sie ein fester Bestandteil geworden und wird wöchentlich genutzt. Dieses Angebot auszuweiten und die Bekanntheit des Ortes, die Vernetzung mit anderen caritativen Angeboten sowie die Verfügbarkeit von Engagierten zu nutzen, ist sinnvoll. Da in St. Bruno nicht ausreichend Platz für die dort bestehende Kleiderkammer, den „Veedelsschrank“, verfügbar ist, wäre eine zusätzliche Ausgabemöglichkeit in der Kirche eine einfache und praktikable Lösung. Diese könnte mit einer Essensausgabe, Gesprächs- oder Beratungsangeboten kombiniert werden. Da die Kirche an den meisten Wochentagen nicht genutzt wird, kann die Kleiderausgabe auch an weiteren Tagen geöffnet sein, unabhängig von anderen Angeboten in der Kirche.


In der Kapelle der Kirche kann ein Café eingerichtet werden, in dem die Menschen während der Wartezeit mit kostenlosen Getränken und freundlicher Zuwendung gestärkt werden. Vorrangiges Ziel der Ausgabe ist nämlich nicht die Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung oder Essen, sondern der wertschätzende Umgang und die Aufwertung von Menschen, die sich selbst als von der Gesellschaft ausgeschlossen oder am Rand stehend empfinden. Die Bedürftigen sollen spüren, dass sie kostbare Menschen sind. Dass sie nicht Waren erhalten, die andere wegwerfen würden, sondern, dass sie in ihrer schweren Lage nicht alleine gelassen, sondern gestützt werden. Sie sollen spüren, dass sie nicht nur reagieren und nehmen, sondern auch selbst aktiv gestalten können. Aus diesem Grund stellt das ICZ während der Lebensmittelausgabe eine Beraterin bereit, die sich den Hilfesuchenden Wege aufzeigt, wie und wo sie Hilfe in ihrer persönlichen Situation erhalten. So sollen die Menschen ihr Leben wieder eigenständig gestalten und selbst die Zukunft in der Hand haben. Das erklärte Ziel aller caritativen Unterstützungsangebote muss nämlich immer sein, sich selbst überflüssig zu machen.

Spirituelle Nutzungserweiterung – Seele

Über die bestehende Nutzung als Gottesdienstort hinaus soll St. Karl Borromäus zukünftig Raum für weitere spirituelle Angebote bieten. Eine Gruppe junger Erwachsener möchte in der Kirche Taizé-Gebete anbieten. In Zusammenarbeit mit dem ICZ und den Kund*innen der Ausgabestelle können interreligiöse Angebote gestärkt werden. Die neu gegründete ukrainisch-orthodoxe Gemeinde spielt mit dem Gedanken, sich am Kirchort zu verwurzeln. Kasualien wie Taufen, Trauungen oder Exequien, die mit kleinen Gottesdienstgruppen in größeren Kirchen verloren wirken, wären in einem kleineren Gottesdienstraum familiärer durchführbar. Experimentelle Gottesdienste sind bei flexibler Raumgestaltung und Bestuhlung in Reihen, Kreis, oder ohne Stühle auf dem Boden sitzend oder stehend möglich. Leicht umsetzbar werden ganz unterschiedliche Formate wie z.B. Abschieds- oder Willkommensfeiern, Mittagsgebete vor den Ausgabezeiten, Meditationen, Lesungen mit und ohne Musik, Kinokirche … Danach wäre ein kommunikativer Empfang im hinteren Bereich der Kirche möglich, auch eine immer wieder angefragte Option, die die Kirche für Taufen, Trauungen und Familien- bzw. familiäre Gottesdienste besonders interessant macht.

Damit unterschiedlichste Gottesdienstgestaltungen in einer maximalen Flexibilität möglich werden, müssen die Kirchenbänke gegen eine variable Bestuhlung ausgetauscht werden. Dafür hat sich bereits eine junge, polnische Gemeinde in der Nähe von Warschau gefunden, die sämtliche 38 Kirchenbänke übernimmt.


Für den reduzierten Gottesdienstraum stehen rund 50 gepolsterte Stühle sowie über 50 Holzstühle aus der Kapelle zur Verfügung. Denkbar und passend wäre auch die Anschaffung von gemütlichen Sitzmöbeln wie Sofas und Sesseln um die Verbindung von Geist und Körper zu betonen.

 

Durch diese Gestaltung würden in der Kirche sowohl existenzsichernde Maßnahmen in Form von Lebensmitteln, Kleidung und Essen angeboten, als auch das Bedürfnis nach spiritueller Nahrung gestillt: „Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper“.

Zweigeteilter Raum

Die Nutzung als „Kirche für Leib und Seele“ legt eine Zweiteilung nahe. Sinnvoll wären dafür gliedernde, den Raum aufteilende Einbauten, die mit dem bestehenden Denkmalschutz vereinbar sind. Diese würden auch die Auf- und Abbauzeiten für Kleiderkammer und Lebensmittelausgabe verkürzen. Die Einbauten sollten aber nicht eine variable Nutzung erschweren, wie das die Kirchenbänke tun, sondern Gestaltungsfreiheit ermöglichen. Daher sollen die Einbauten vor allem den Raum gliedern in caritativ genutzte Fläche und liturgisch-spirituell genutzten Raum. Die Gliederungselemente, die den Gottesdienstbereich abtrennen, können dann als Stauraum für die Kleiderkammer und Lebensmittelausgabe verwendet werden. Verschlossen sind sie aber vor allem optisch ansprechende Gestaltungselemente für den Kirchenraum.

Der zentrale Bereich vor dem Altarraum bietet sich als Gottesdienstraum an. Sowohl der Altar und der Ambo im höher gelegenen Altarraum können bei der veränderten Bestuhlung einbezogen werden, als auch die derzeit in der Kapelle genutzten Holzäquivalente, die mobil einsetzbar an unterschiedlichen Stellen positioniert werden können. Nahe dem Altarraum befinden sich auch das Taufbecken, der Tabernakel und die Kanzel, die bei Feiern einbezogen werden können. Da die neu zu errichtenden Einbauten nur eine begrenzte Höhe von rund drei Metern haben, kann auch die Kirchenorgel weiter bespielt werden.

Aktuelle Nutzung der Kirche

Die Kirche St. Karl Borromäus, Zülpicher Straße 275 ist die kleinere Filialkirche der Kirchengemeinde St. Nikolaus und Karl Borromäus.


Die ehemaligen Pfarrräume im Fundament der Kirche hat der Caritasverband der Stadt Köln gemietet und dort das „Internationale Caritas-Zentrum“ für Gruppen aus unterschiedlichen Nationen eingerichtet. Das Caritaszentrum hat zudem den Anspruch ein Stadtteilzentrum zu sein bzw. zu werden, so werden die Räume über das caritative Angebot hinaus auch von Chören, Yoga-, Theater- oder anderen Interessensgruppen der Umgebung genutzt.
In der Kirche selbst findet wöchentlich am Dienstag um 9.00 Uhr eine Messe statt, an der rund fünf Gottesdienstbesucher*innen teilnehmen, sowie am Samstag um 17.00 Uhr eine Vorabendmesse mit durchschnittliche 15 bis 20 Besucher*innen. Über die wöchentlichen Gottesdienste hinaus werden in der Kirche die Festmessen an den zweiten Feiertagen (2. Weihnachtstag, Ostermontag, Pfingstmontag), Allerheiligen, der Beginn der Prozession an Palmsonntag, die Liturgie an Karfreitag und ein Krippenspiel sowie eine Familienchristmette an Heiligabend gefeiert. Außerdem nutzen der Kindergarten St. Karl Borromäus und die Förderschule Redwitzstraße die Kirche für ihre Gottesdienste.


Im November 2020 wurde am Kirchort die „FC-Lebensmittelausgabe an St. Karl“ eingerichtet, zunächst draußen, auf dem Kirchplatz, und seit Ende 2021 in der Kirche selbst. Gestartet ist die Ausgabe mit gut fünf Engagierten und weniger als 50 Kund*innen aus Sülz, Klettenberg und Lindenthal. In den ersten zwei Jahren wurden dort insgesamt über 900 Menschen unterstützt, mehr als 400 aus den Stadtteilen, sowie knapp 500 Geflüchtete aus der Ukraine. Jede Woche werden aktuell kostenlose Waren an über 300 Bedürftige von über 30 Ehrenamtlichen ausgegeben.
Seit Mitte 2022 wurde das Angebot um eine Ausgabe von gebrauchter Kleidung und Waren aus Haushaltsauflösungen erweitert. Hinzu kommt eine Gruppe von knapp zehn weiteren Engagierten, die ebenfalls seit Mitte 2022 für die Kund*innen jeden Mittwoch im ICZ ein warmes Essen kocht, auch für Menschen, die nicht aus Sülz, Klettenberg und Lindenthal stammen.

Alle Angebote, caritativ und spirituell, wurden auf Anregung und Nachfrage von Hilfesuchenden oder Engagierten umgesetzt. Deshalb stehen hinter dem Gesamtprojekt schon jetzt hunderte Menschen, die mit ihren Ideen, ihrem Einsatz, der Vermittlung und Vernetzung, oder durch finanzielle Unterstützung dem Kirchort neues Leben schenken. Die Verantwortlichen der katholischen Gemeinden geben diesen Menschen lediglich Raum, sie nehmen wahr, verbinden Passendes, organisieren, begleiten die Hilfesuchenden und behalten bei alledem die Möglichkeiten der Kirche, ihren Auftrag und insbesondere die christliche Nächstenliebe im Blick. So ist durch viel Wohlwollen ganz natürlich und organisch schon heute ein heilsamer Ort gewachsen.

Bevölkerung vor Ort

In Köln gibt es rund 154.000 Menschen, die einen Köln-Pass besitzen, in Sülz, Klettenberg und Lindenthal leben davon insgesamt über 4.000 (Stand 12/2022) sowie mehr als 2.000 SGBII-Leistungsberechtigte (Stand 12/2021). Der Köln-Pass wird sozial schwachen Menschen ausgestellt, also z.B. Empfänger*innen von Grundsicherung, Asylbewerber*innen und anderen Bezieher*innen staatlicher Transferleistungen. Der Pass wird als Berechtigungsnachweis u.a. für die meisten Lebensmittel- und Kleiderausgabestellen genutzt.


Die Grafik zeigt die Verteilung von sozial starken Bevölkerungsschichten (grün) und der sozial schwächeren (orange). Im Umfeld der Kirche St. Karl Borromäus leben viele sozial schwache Menschen. Schräg gegenüber der Kirche, an der Joseph-Stelzmann-Straße, Ecke Zülpicher Straße, befindet sich ein Haus für Geflüchtete, deren Familien nahezu komplett von den Ausgaben in St. Karl unterstützt werden.

Wir freuen uns sehr, wenn Sie die caritative Arbeit unterstützen möchten. Was passt dafür am besten für Sie: persönliches Engagement, Sachspenden oder finanziell? 

 

Infos:

Diakon Hanno Sprissler
Tel.: 01 17 - 8 81 27 81
E-Mail: sprissler@kirche-sk.de

 

Konto Pfarrcaritas St. Nikolaus und Karl

DE46 3705 0198 0006 9727 23

COLSDE3XXX

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